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Sonntag, 16. Juli 2017

Vom blinden Huhn und seinem Körnchen



The Imitation Game

Alan Turing baut einen Computer, mit dem er in einem Geheimprojekt im Zweiten Weltkrieg die Nazis besiegt.  Allerdings ist er ein unzugängliches exzentrisches Genie und muss sich erst daran gewöhnen, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Die einigermaßen interessante Geschichte entwickelt sich recht dynamisch, wovon der Film bis zur Hälfte dramaturgisch profitiert.

Samstag, 8. Juli 2017

Eine romantisch-witzige Kinohommage mit bitterem Schluss



The Purple Rose of Cairo

Willkommen in der diegetischen Realität

Was passiert, wenn die Grenze zwischen zwei in der Realität unvereinbar getrennten Welten überschritten werden kann? Dieses Szenario spielt Filmemacher Woody Allen lange vor Midnight in Paris bereits in The Purple Rose of Cairo durch. In den USA während der Great Depression ist junge Frau unglücklich verheiratet und verbringt ihre Zeit, wenn sie nicht gerade Gelegenheitsjobs nachgeht, im Kino. An einem unglücklichen Tag schaut sie den titelgebenden Film in der Dauerschleife, bis eine charmante Figur aus der Diegese sie persönlich anspricht und daraufhin die diegetische Filmwelt verlässt.  Der übrige Cast reagiert überrascht und verliert seine Orientierung.

Woody Allen macht hier keinen psychoanalytischen Film.  Das Ereignis entpuppt sich nicht als Traum. Wozu auch? Hier versteht er wie kein anderer, die Möglichkeiten der Fiktion für dieses Szenario zu nutzen und ermöglicht sich so auch, die Folgen dieses Bruchs zwischen der filmischen Diegese in der filmischen Diegese mit ihrer Realität mit viel Komik zu würzen. Die Szenen im Kino, wo der Film nach dem Ausbruch Tom Baxters (Jeff Daniels) weiterläuft und die anderen Figuren untätig herumsitzen und zunehmend gereizter aufeinander reagieren, werden immer wieder zwischen die Szenen des Haupthandlungsstrangs eingestreut, in dem Protagonist(-in) Cecilia (Mia Farrow) Tom die Realität zeigt – und den charmanten Schauspieler Gil Shepherd kennen lernt, der Tom verkörpert. Um diese Dreiecksbeziehung wird sich der Film schließlich auch drehen, ab und zu tangiert vom zuvor deutlich präsenteren Monk (nein, nicht der Monk; hier Danny Aiello), Cecilias Ehemann, eine negativ gezeichnete Figur, aber kein gänzlicher Unsympath (hierfür müsste er bei W. Allen schon ein pedantischer Pseudointellektueller sein).

Hier zeigt W. Allen übrigens auch seine inszenatorische Klasse.  Er weiß nicht nur, interessante Geschichten zu erzählen, sondern erzählt diese auch auf eine interessante Art.  Hier stechen die Szenen in der kleinen Wohnung, wo Monk und Cecilia leben, heraus. Während ihrer Streitigkeiten schwenkt die Kamera entweder zwischen zwei Räumen hin und her, oder bleibt gar in einem Raum.  Sich davon zu lösen, den Figuren zu folgen und in Gänze über sie zu erzählen, hat hier außerdem den positiven Effekt, dass dabei auch Cecilias Lebensraum inszeniert wird: Eine Realität, aus der man nur allzu gern in filmische Diegesen fliehen möchte und sich träumerische Charmeure als Liebhaber wünscht.  Der Idealist Tom ist zwar fiktional in dieser Fiktion und kennt die Welt, in die er hier geworfen wird, auch nur durch ihre Ähnlichkeiten zu seiner filmischen Welt, doch er behält seinen Idealismus darüber. Der Höhepunkt dieser Charakterisierung sind die Szenen mit (einer) Prostituierten, in denen W. Allen nie dem Klamauk verfällt. Wahrscheinlich ist der Film im Bordell auf dem Höhepunkt (höhö).


Probleme am Ende

Über weite Strecken funktioniert der locker erzählte Film hervorragend, doch bekommt ausgerechnet gegen Ende Probleme. Cecilias finale Entscheidung ist enttäuschend. Woher kommt ihre Motivation für diese? Ausnahmsweise ist dies hier wichtig, da ein solcher Moment ordentlich vormotiviert sein muss. Da die Entscheidung aber durch die Handlung statt durch die Charaktere motiviert wirkt, überrascht The Purple Rose of Cairo hier mit einem dramaturgischen Problem.

Warum ist das Problem dramaturgischer Art? Weil der Entschluss nicht in ‚logisch nachvollziehbar‘ ist, nicht kausal aus der Handlung oder Diskussionen der Szene folgt. Es gibt zwar Indizien, woher diese Entscheidung kommen könnte, doch diese hätte es auch in die andere Richtung geben können.
Das Problem erinnert an die abrupte Entscheidung des Protagonisten in Midnight in Paris, als er dort die diegetische Realität der unerreichbaren Wunsch-Welt vorzieht und begründet, dass die Gegenwartswelt jener der 1920er-Jahre überlegen ist bzw. er sie als seinen „Wohnort“ favorisiert. Hier kommt sein Argument gegen Ende ebenfalls plötzlich; das Szenario ist hier zu Ende durchgespielt.


Fazit

Der Filmzeigt eine schöne schwarzweiße Film- und sepiafarbene Realitätswelt im Jahr 1935, mit trockenem Humor, einer episodenhaften Erzählweise; die verbindenden Szenen zwischen jenen des Haupthandlungsstrangs sind mit Allens Humor gewürzt. Die kurze Laufzeit ist kein Problem. Zusätzliche Szenen hätten das dramaturgische Problem auflösen können, doch dies hätte auch in den gegebenen geschehen können. Das Leben ist nicht so perfekt wie die filmische Diegese. Es ist enttäuschend wie eine dramaturgische Lücke. Die Illusionen und die Schauspieler lassen uns aber träumen.  Vielleicht kann man so ja einige seiner Ideale erhalten.


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JAH

Sonntag, 25. Juni 2017

Freitag, 9. Juni 2017

The Founder vs. the Founders



The Founder


Ein intriganter Michael Keaton gründet McDonald’s. Die Ausgangslage verspricht einen hervorragenden Film, kann dieses Versprechen aber nicht wirklich alten. Inszenatorisch bietet John Lee Hancocks Film dafür eine kleine aber feine Geschicklichkeit.

Dienstag, 11. April 2017

Kurz angeschnitten: Fokalisierung



Bisher wurde immer bloß das Wort erwähnt. Falls jemand sich fragt, was es heißt, und zu faul zum Googlen ist, darf er sich jetzt genüsslich zurücklehnen und lesen. Was meint JA bloß immer, wenn er von Fokalisierung spricht?
Der Begriff geht auf Gérard Genette zurück. In „Die Erzählung“ beschreibt er die F. als Aufteilung von Wissensständen zwischen Figuren untereinander und zwischen Figuren und Zuschauern.

Sonntag, 19. März 2017

Ein Moment Film (5): Rhythmus

Nach Buster Keatons Film, der womöglich noch Leute für schwarz-weiße Stummfilme begeistern könnte, heute etwas total Sperriges.

Sonntag, 12. März 2017

Ein Moment Film (4): Ein Schwergewicht der Filmgeschichte

Ein Zuschauer, von mir gezwungen, 20' seines Lebens einem Kurzfilm zu widmen.

Diesmal ist vielleicht nicht der beste Film aller Zeiten dran, aber doch schon einer der ganz engen Spitze: Buster Keatons Meisterwerk The Goat bedarf nicht vieler Worte.

Sonntag, 19. Februar 2017

Ein Moment Film (3): Ständige Metamorphose

Zeit, sich wieder einen Moment für den Film zu nehmen. Spezieller für einen Film des Karikaturisten und Filmemachers Émile Cohl.

Montag, 13. Februar 2017

Media Monday (10): Schon wieder Blockbusterbashing



1. Film gewordene Theaterstücke erfordern eine Menge Verständnis des Regisseurs für seine Kunstform. Hitchcock etwa beklagt, Dial M for Murder sei gefilmtes Theater – ist es aber nicht.

Sonntag, 5. Februar 2017

Ein Moment Film (2): Surreales

Heute ein surrealistischer Avantgarde-Experimentalfilm von Man Ray (und darüber hinaus noch ein bisschen was):
Le rétour à la raison

Sonntag, 29. Januar 2017

Ein Moment Film (1): Der erste Film und der erste Troll

Wenn möglich jede Woche stelle ich in dieser Kategorie einen experimentellen, avantgardistischen oder andersartig interessanten (Kurz-)Film vor. Unkommentiert soll dabei die Möglichkeit gegeben werden, zu zeigen: Was kann Film?

Montag, 16. Januar 2017

Media Monday (7): Stummfilmkomik und Stars



Modern Times

1. The Saphead habe ich mir ja eigentlich nur wegen Buster Keaton angesehen, wobei er hier nur Darsteller war und nicht Regisseur/Autor. Immerhin ein Film, der ihm ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für seine baldige Langspielfilmkarriere eingebracht hat.

Samstag, 14. Januar 2017

Comics, Sequels, Prequels

Vorschau auf das deutsche Kinojahr 2017


Eine kleine unvollständige Vorschau mit auffälligen und potenziell interessanten Filmen. Die Vorschau beginnt Ende Januar. Alle Termine  von Zelluloid.de

Montag, 2. Januar 2017

Media Monday (6): Neues Jahr, neues Glück



1. In 2017 freue ich mich im Moment am meisten auf mglw. bis zu 365 Tage neue Erfahrungsmöglichkeiten... und natürlich auf den einen oder anderen sehenswerten Streifen im Lichtspielhaus.